Noise Again
Theaterstück & Installation, 2018

Ein Bildhauerworkshop für Metzgermeister? Zombies’ Beauty-Spa? Frankensteins Bäder- und Fliesenparadies? Wo man in der Rauminstallation und Performance Noise Again gelandet ist, bleibt undurchschaubar. Körperteile werden mit Smartphones abgefilmt, aus Ton oder Holz geformt und mutieren zu fröhlichen Akteuren in einem vom Horror-Genre inspirierten Treiben. Zwei- und dreidimensionale Körperaus- und -abschnitte verschwinden in Projektionen geisterhaft in Nebelschwaden und fügen sich zugleich skulptural im Raum zu einer neuen Gestalt.
Zwischen halbtransparenten Folienbahnen – nicht durchsichtig und noch weniger greifbar – inszeniert Noise Again ein bewegtes Zerfließen in camouflierenden Oberflächen, das sich auf unsere wiederzugewinnende Kontrolle über die von uns im Netz zirkulierenden Bilder bezieht. Das Zerstückeln und Zusammenstückeln von Körpern und Gesichtern rückt dabei als Methode digitaler Technologien zur Speicherung und Wiedererkennung von Daten über Individuen in den Fokus. Permanent produzieren Technologien und Programme digitale „Schatten“ von uns, wenn wir uns durch halböffentliche Räume und Netzwerke bewegen.
Doch was, wenn wir uns mit diesen Schatten verbünden? Wenn wir sie nutzen, um bewusst Verschattungen und Verschwommenheiten unseres Selbst zu kreieren und die Sichtbarkeit unseres Ichs aktiv modulieren zu lernen? Der post-digitale Frankenstein muss sich sein Labor erst noch bauen, der Plan zur Erschaffung einer von rationalen Kräften unkontrollierbaren Kreatur liegt angerissen auf dem Tisch. Noise Again wagt den Testlauf.   

(Text: Ellen Wagner)


Performer*innen  - Sophia Bobic, Anne Gleich, Maj-Britt Klenke, Pierre Störig, Yuske Taninaka
Regie & Produktionsleitung  - Stella Schimmele    
Rauminstallation  - Viviane Niebling & Michaela Kraft
Musik & Sounddesign  - Miró Rabier mit Peer Neumann & Mason Rent
Skulptur  - Yuske Taninaka
Künstlerische Assistenz Regie & Kostüm  - Lena Appel
Kostüme  - Ksti Hu
Choreographie  - Verena Kutschera
Video für Installation  - Jo Glenk
Videodokumentation, Musikvideo, Trailer  - Daniel Herzog mit Tim Seger

Produktionspartner / Förderer  - Dr. Marschner Stiftung, Theaterhaus Berlin Mitte, Festival der Jungen Talente Frankfurt
Vielen Dank Rotraut Pape, Heiner Blum, Christina Wittich, Jos Diegel, Nina Zoller, Karin & Stefan Piterek, Henning Koch, Eva & Thomas Schimmele, protagon e.V.



Fotos: Robert Schittko.   Filmstills: Daniel Herzog

Musikvideo zum Song "Lovely Lovely" aus der Performance